Aus der Geschichte des Vereins
 

Als zu Anfang des Jahres 1904 eine kleine Gruppe sangesfreudiger Männer zusammenkam, um einen Gesangverein zu gründen, scheiterte der Plan zunächst an mancherlei Schwierigkeiten. Durch diese erste Zusammenkunft war jedoch der Stein ins Rollen gekommen und in unermüdlicher Arbeit löste die kleine Schar in den folgenden Monaten alle Probleme, die die Gründung des Vereins mit sich brachte.

Am 4.April 1904 war es dann soweit, dass der "Gesangverein Grafenrheinfeld" von 18 Männern im Gasthaus zum Hirschen, das von da an das Vereinslokal wurde, offiziell gegründet wurde.

Franz Martin Scholl übernahm den Posten des 1.Vorstandes. Die Stabführung lag bei Michael Braun in den besten Händen. Als ein großer Idealist für den Gesang wurde er die Stütze und der Wegbereiter für den Aufbau des Chorgesangs in Grafenrheinfeld. Mit dem von ihm selbst geschriebenen Notenmaterial wurde angefangen und schon nach kurzer Zeit intensiver Proben konnten die Sänger zum erstenmal öffentlich auftreten. Damit war der erste Schritt getan und Grafenrheinfeld hatte nun auch einen Verein, der sich der Pflege und Weiterbildung des deutschen Liedgutes widmete.

Das Jahr 1907 brachte in der Vorstandschaft eine Umbesetzung. 1.Vorsitzender wurde Michael Köberlein. Unter seiner umsichtigen Leitung wuchs der Verein immer mehr an und zählte 1909 etwa 25 aktive Sänger. Ein besonderer Fortschritt in dieser Zeit war der Beitritt zum Fränkischen Sängerbund im Jahre 1910.

Der erste Weltkrieg 1914 bis 1918 versetze der beachtlichen Vorwärtsentwicklung des jungen Vereins einen schweren Schlag. 

Die Treue zum deutschen Lied erwies sich erneut, als in den Nachkriegjahren wieder eifrig gearbeitet wurde. Durch Theateraufführungen und sonstige musikalische und gesangliche Veranstaltungen gewann der Verein immer mehr an öffentlichem Interesse. So konnte man gerade in den 20er Jahren viele Neuzugänge verzeichnen.

Im Jahre 1926 legte Dirigent Michael Bauer sein Amt nach 20 Jahren aus Altersgründen nieder. Die Sorge um einen neuen Chorleiter war bald behoben, als sich Hauptlehrer Robert Zorn bereit erklärte, die gesangliche Leitung des Vereins zu übernehmen. Durch seine musikalische Begabung als guter Klavierspieler, gepaart mit energischem, bestimmtem Auftreten, konnte er dem Chor auf eine Stufe bringen, die den Gesangverein Grafenrheinfeld weit über die Umgebung hinaus bekannt machte. In diese Glanzzeit fiel das 25jährige Stiftungsfest mit Fahnenweihe am 29.und 30 Juni 1929. Eine künstlerisch wertvolle Fahne wurde unter der Patenschaft der "Sängervereinigung Thalia 1860" Schweinfurt zum Vereinsbanner geweiht und 46 Gesangsvereine nahmen an dem Sängertreffen teil.

Am 22.September 1929 gründete Vorstand Köberlein in Grafenrheinfeld die Sägergruppe Schweinfurt-Land im Fränkischen Sängerbund. 

Die folgenden Jahre standen unter dem Zeichen einer steten Vorwärtsentwicklung.

Mit dem überraschenden Tod von Hauptlehrer Zorn im Jahre 1938 verlor der Verein seinen, sich in 12 Jahren bewährten Dirigenten. Nach mehreren Aushilfsdirigenten übernahm Adam Mohr, mit Unterstützung des Vereinswirtes Emil Lutz am Klavier die gesangliche Leitung des Vereins. Der seit 1934 für den zurückgetretenen Vorstand Köberlein fungierende 1.Vorstand Alfred Kaffer leitete den Verein in der Zeit geschickt weiter und hielt, selbst nach laufenden Einberufungen im Zweiten Weltkrieg, die immer kleiner werdende Sägerschar fest zusammen. Elfmal musste sich die trauerumflorte Vereinsfahne zum letzten Gruß für gefallene Sangesbrüder senken. Der letzte Lebensnerv des Vereins war zum Absterben verurteilt, als im Jahre 1945 nach Einzug der Besatzungsmacht, jegliche Vereinstätigkeit verboten wurde. Nach Erleichterung der Bestimmungen brachte Vorstand Köberlein und Dirigent Adam Mohr durch seinen Aufruf zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit im Jahre 1947 wieder Leben in den schlummernden Verein. Nachdem nach zwei Jahren tüchtiger Aufbauarbeit das Vereinsleben wieder auf volle Touren lief, legt Vorstand Köberlein am 10.Januar 1949 endgültig sein Amt nieder. In vorbildlicher Weise hatte er in mehr als 30 Jahren als 1.Vorstand die Geschicke des Vereins mitbestimmt.

In den Jahre 1949 bis 1951 lösten sich als 1.Vorstände Franz Weisensee und Bruno Ebner in der Vereinsführung ab. Der am 7.Januar 1951 zum 1.Vorstand gewählte Sangesbruder Edi Öftering baute die Entwicklung des nun 120 Mitglieder zählenden Vereins weiter aus. Mit großem Interesse nahm er das Problem der Neuanschaffung einer Vereinsfahne in Angriff, die am 14. und 15.Juni 1952 im Rahmen eines Sängerfestes geweiht werden konnte.

Unter der Leitung von Edmund Röthel feierte der Verein am 7.und 8.August 1954 sein 50jähriges Gründungsfest. 19 Gesangvereine waren trotz recht ungünstigen Wetters nach Grafenrheinfeld gekommen, um mit den Jubilar freundschaftliche Bande zu knüpfen.

Im Wechsel des Vorsitzes war ab 1957 bis 1974 Ernst Lutz tätig, ehe am 11.Januar 1974 Walter Knaup, heute Ehrenvorstand, die Führung übernahm. 1959 legte Chorleiter Adam Mohr nach mehr als 40jähriger Tätigkeit sein Amt nieder. An seine Stelle trat Roland Kolb, der nun seit mehr als
40 Jahren mit viel Umsicht den Chor führt. Nicht unerwähnt bleiben soll unser Ehrenmitglied Fridolin Rumpel, der 51 Jahre das verantwortliche Amt als 1.Kassiers ausübte.

Die Gründung eines gemischten Chores 1980 bezeichnete man als einen guten Griff, wobei die Initiatorin, Frau Brigitte Geßner, besonderer Dank zuteil wurde. 60 Sänger und Sängerinnen gehörten nun dem Chor aktiv an. Außerdem zählte der Verein 52 fördernde Mitglieder. 

Das 80jährige Stiftungsfest wurde am 14.Juli 1984 mit einem Ehrenabend an dem der Gesangverein Eintracht Heidenfeld, der Männergesangverein Bergrheinfeld, der Schülerchor Grafenrheinfeld, der Volkstanzkreis Grafenrheinfeld und die Stadtkapelle Volkach teil nahmen, festlich begangen. Am Sonntag den 15.Juli 1984 spielte die Kirchenmusik unter Leitung von Roland Kolb die Deutsche Messe von Franz Schubert. 

Auch das 90jährige Bestehen des Gesangvereins wurde festlich in der Altmain-Halle begangen.

Walter Knaup der 21.Jahre von 1974 bis 1995 als 1.Vorstand und Ehrenmitglied den GV umsichtig durch manche Hochs und Tiefs führte, wurde nun abgelöst von Fridolin Weth.